Ein paar Gedanken zur Wahlniederlage am vergangenen Sonntag

Von der Wucht meines Wahlergebnisses zerschlagen, brauchte ich einige Tage, um Gedanken zu sortieren und mir über einiges klarer zu werden. Ich bin dankbar für alle, die mich gewählt haben, für viel Zuspruch und Anerkennung aus der Stadtöffentlichkeit und dem digitalen Raum. Ich weiß, dass auch einige ihre Hoffnungen in mich gesetzt haben. 

 

Am Sonntagabend habe ich meinen beiden Mitbewerbern auf ihren Wahlpartys meinen Glückwunsch ausgesprochen. Der laute Beifall im Kreis der CDU hat mich überrascht, nüchtern strategisch war der Empfang bei den Grünen. Im Anschluss war ich bei meiner Partei, habe mich bei einigen für die Unterstützung bedankt. Fünf Vorstandsmitglieder haben in der gesamten Wahlkampfzeit meine Veranstaltungen besucht oder bei deren Durchführung geholfen. Einige haben nicht einmal den Blick gehoben, um mir nicht in die Augen schauen zu müssen. Dann bin ich vom Amt der Co-Vorsitzenden zurückgetreten. 

 

Das bittere Ergebnis zeigt deutlich, dass ich nicht den Hauch einer Chance hatte. Schon im Dezember hat der Redaktionsleiter der Kreiszeitung festgestellt, dass meine Nominierung „kein Coup“ sei – wie einst bei Oestmann. Warum auch immer. Ich suche allgemein nach Erklärungen: Alt, weiß, eine Frau, der Name, nicht von hier. Studien zeigen, dass Männer, die sich gegen Ungerechtigkeiten wehren, als meinungsstark, und Frauen als zickig wahrgenommen werden. Jedenfalls bin ich mehr Wundertüte als bisherige Stadträtin. 

 

Während ich mich auf Social-Media-Plattformen gut darstellen konnte, tauchte ich in der Kreiszeitung oft nicht auf. Es brauchte scheinbar erst einen Skandal, um die Wochen vorher zur Adventure-Golfanlage von mir gegebenen Antworten abzudrucken. Und tatsächlich hatten meine beiden Mitbewerber von Anfang an auch in der Öffentlichkeit den Stadtratsbonus. Sie durften beispielsweise auch bei der Feier zur Ehrenbürgerinnenverleihung bleiben, wo ich vom Bürgermeister trotz vorheriger Anmeldung rausgeschickt wurde. Dabei hatte ich schon zu Abend gegessen. Ich fühlte mich geghostet, denn auch viele meiner Gespräche mit Rotenburger Verantwortlichen in Wirtschaft, Kultur und Einzelhandel fanden hinter verschlossenen Türen statt. Keiner hatte den Mut, sich öffentlich für mich auszusprechen. Mut ist ein gutes Stichwort. Mir war als Diplom-Kultur-und Medienmanagerin, die für Bertelsmann und Universal gearbeitet hat, gar nicht bewusst, dass ich so viel Mut für den Schritt zu kandidieren brauchte. 

 

Nun erlebe ich vor der Stichwahl einen mir bislang unbekannten Schwung einiger Parteigenossen bei der Unterstützung von Stefan Fuchs. Männer reißen sich plötzlich die Beine aus. Meine Plakate werden allesamt in Windeseile abgenommen. Beim Aufhängen stand mir zuvor nur mein Co-Vorsitzender zur Seite.

 

Das bringt mich dazu, zu der immer wieder – von der Kreiszeitung neun Monate lang – beschworenen fehlenden Unterstützung meiner Partei Stellung zu beziehen. Die Grünen haben ihren Kandidaten Stefan Fuchs als Einzelbewerber vorbildlich in die Stichwahl getragen. Complimenti! Obwohl er mit seiner Kandidatur seine Unabhängigkeit darstellen wollte, standen die Grünen von Anfang an wie eine Eins hinter ihm. Schon unter den ersten Posts nach seiner Kandidatur fand sich ein deutlicher Hinweis seiner Partei auf die vollständige Unterstützung des Bürgermeisterkandidaten, der eigentlich unabhängig kandidierte.

 

Ich hingegen habe zu meinem Parteietikett gestanden und mich in einem kräftezehrenden und meist einsamen Wahlkampf vor die Partei und gegen einen allgemein zu beobachtenden Politikertrend gestellt. 

 

Bis heute findet sich allerdings auf den Seiten der SPD Rotenburg keine Nachricht zu meiner Kandidatur im Dezember 2025, nicht auf der Homepage und nicht in den Social-Media-Kanälen. Mein erstes Video und ein privater Post meines Co-Vorsitzenden ging vor Weihnachten viral und hat die Nachricht meiner Kandidatur öffentlich gemacht. Wenn ich heute zurückblicke, muss ich deshalb sagen: Eigentlich war ich die einzig unabhängige Kandidatin.

 

Im Vorfeld haben Grüne und SPD traditionell auch bei dieser Wahl versucht, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu verständigen. Ich war die Erste im Rennen und habe mich den Grünen vorgestellt, die zu diesem Zeitpunkt nach eigener Aussage noch keinen Kandidaten hatten. Schon damals habe ich es abgelehnt, unabhängig zu kandidieren. Ich halte es nicht für glaubwürdig, Parteimitgliedschaft und politische Unabhängigkeit im Wahlkampf in einer Person zu vereinen.

 

Am Ende dieses Prozesses hat sich der damalige Vorstand der SPD mehrheitlich darauf geeinigt, mich als eigene Kandidatin aufzustellen. Eine demokratische Entscheidung, der zufolge ich von einer mehrheitlichen Unterstützung meiner Kandidatur ausgegangen bin. Aber wo Menschen sind, menschelt es. 

 

Rückblickend vermute ich, dass zwei Diskussionspunkte aus der vergangenen Legislatur für die Ablehnung meiner Person eine Rolle gespielt haben. Zum einen habe ich dem Vorstand nach Ausscheiden des ehemaligen Bürgermeisters aus dem Rat eine anerkennende Pressemitteilung für seine Verdienste abringen wollen. Ich habe die damalige Diskussion so verstanden, dass die Sorge bestand, eine solche Würdigung könne der Partei später schaden, falls nachträglich Fehler aus seiner Amtszeit bekannt würden. Solche Fehler sind mir nicht bekannt. Für die Pressemitteilung fand sich jedenfalls kein Rückhalt und seine Verabschiedung wurde parteiintern vorgenommen.

 

Zum anderen habe ich die Fraktion deutlich dafür kritisiert, wie im Zusammenhang mit dem Umzug der Rotenburger Moscheegemeinde vom Loh in die Innenstadt und sogenannten Potenzialflächen für die Innenstadtentwicklung umgegangen wurde. Für mich gehört der Islam zu Deutschland. Eine Moschee gehört für mich zu gläubigen Menschen und damit auch in eine Stadt – nicht ins Gewerbegebiet. Diese Haltung hat auch mit meiner katholischen Erziehung zu tun. Ich lerne Arabisch, weil mich die Geschichte fasziniert, dass Juden, Christen und Muslime über Jahrhunderte hinweg in Spanien friedlich zusammenlebten und kulturellen Austausch pflegten.

 

Die Diskussionen führten zu Querelen, die ich als unwürdig und für unvereinbar mit den sozialdemokratischen Werten und dem Grundgesetz halte. Der gemeinsam im Vorstand dazu verabschiedete Offene Brief an die Moscheegemeinde ist von der Homepage der SPD Rotenburg entfernt worden. Jüngst beteiligt sich ein Mitglied, das mir ein persönliches Gespräch im Nachgang der Situation verweigert hat, nun am Stichwahlkampf in den sozialen Medien.

 

Ich habe der Partei immer den Rücken gestärkt. Als ich auf das nicht einstimmige, aber deutliche Mehrheitsergebnis der Aufstellungsversammlung angesprochen wurde, habe ich öffentlich gesagt: In der SPD wird diskutiert. Das ist demokratisch. Ich habe nicht gesagt, dass – wie in einer Schulklasse – schon ein Einzelner das Klassenklima verderben kann. Und dass es noch schlimmer wird, wenn er anschließend seine großen Brüder und die Nachbarjungs mitbringt. Auch das hätte ich sagen können.

 

In der Talkrunde am Weichelsee wurde ich vom Redaktionsleiter der Kreiszeitung darauf angesprochen, weshalb denn das SPD-Wahlprogramm, das ich selbst erstellt hatte, kein Bild von mir zeige. Nach Bedenken über etwaige Diskussionen habe ich es auf Wunsch meines Co-Vorsitzenden wieder heruntergenommen, um des Parteifriedens willen. Durch den Ausfall zweier Vorstandsmitglieder war ich am Ende gezwungen, zusätzlich den Wahlkampf der SPD Rotenburg für den Stadtrat zu organisieren.

 

Rotenburg hat konservativ gewählt. Und das ist gut so. Zwei Stadtratsmitglieder, die für ein Weiter-so stehen: Der eine nach eigenen Angaben für Kunstrasen und Kanal und der andere für Verwaltung und Naturschutz. Ich verstehe, dass der Wunsch nach Sicherheit und Berechenbarkeit hier für viele wahlentscheidend war. Das ist mir zu wenig für Rotenburg. 

 

Und am Ende war da noch meine Ronolulu-Idee. Die Idee wurde durch Rotenburg getragen, vibrierte auch in meiner Partei, wurde bis nach Bremen geflüstert und kam wie Stille Post als geflügeltes Wort „Naturschutz“ auch zu mir zurück nach Rotenburg. Die „Naturschutzkeule“ wurde über meine Ronolulu-Idee von beiden Mitbewerbern im Wahlkampf ordentlich geschwungen: Die CDU mit „zarten Hinweisen des Landkreises“ an den Bürgermeister und darüber hinaus, obwohl in den Wümmeniederungen mit einer Umgehungsstraße geliebäugelt wird. Und von den Grünen, weil Naturschutz nun einmal zu ihrer politischen DNA gehört. Ich habe eine Idee auf Basis des von der Rotenburger Politik verabschiedeten Stadtentwicklungsplans gehabt, die mehr Aufenthaltsqualität in unserer Innenstadt bedeutet und gleichzeitig das Ronolulu hätte absichern können. 

 

Für die Menschen dieser Stadt.

 

Die SPD Rotenburg hat sich mir gegenüber – mit wenigen Ausnahmen, darunter ausdrücklich auch einige der neu hinzugekommenen jungen Frauen, die ich an dieser Stelle hervorheben möchte – zutiefst undemokratisch, unsolidarisch und schlicht entwürdigend verhalten. Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei Gabriele, Sabine, Ingo und Rolf für ihre uneingeschränkte Unterstützung von Anfang bis zum Ende letzten Sonntag. Das ist meine Wahrnehmung. Und ich habe lange versucht, sie nicht öffentlich auszusprechen.

Ich bin stark, aber ich bin auch ein Mensch. Die entsetzlichen Kommentare der AfD-Anhänger auf Social Media haben mich nicht so angefasst, wie das passive Spiel der Parteigenossen, was mir erst jetzt richtig klar wird. Für mich bedeuten diese Zeilen einen Befreiungsschlag.

 

Wahlen sind unser wertvollster Schatz und wir sollten sie feiern. 13 Prozent aller Wähler haben mich gewählt. Für mich sieht es fast so aus, als hätte diese Entscheidung auch Mut gebraucht. Ich muss weiter machen, um Frauen nicht mutlos zu machen und sie trotz meines bitteren Beispiels zu ermutigen, die Demokratie mit all ihren Schwierigkeiten zu leben. 

 

Demokratie ist das System, das uns allen den längsten Frieden und den größten Wohlstand gebracht hat. Dafür lohnt es sich immer zu kämpfen. Sich zur Wahl zu stellen, heißt immer auch, eine Chance zu ergreifen. Scheitern gehört leider zum Leben dazu. Ich möchte mich für jede einzelne Stimme ganz herzlich bedanken und einen Weg suchen, wie ich die Verantwortung für 1.404 Wählende übernehmen und ihnen eine Stimme sein kann. 

 

Ich war guten Willens, deshalb werde ich meinen Frieden mit dieser Erfahrung machen. Geliebt zu werden, war nicht mein Ziel. Ich kämpfe für Gerechtigkeit für alle Menschen, das ist, was mich antreibt. Marlene Dietrich hat auf die Frage, warum sie Antifaschistin sei, geantwortet: „Aus Anstand.“ Das ist auch meine Motivation: Aus Anstand. Ich werde mein Krönchen wiederfinden. 

 

Astrid Mujica Alvarado

Astrid
Mujica Alvarado*

Bürgermeisterkandidatin 

für Rotenburg

* Der Name kommt Ihnen Spanisch vor? 😉 

Das ist fast richtig. 

Er kommt aus Spanien, 

aber ich habe ihn aus Chile. 

Ausgesprochen wird er so: 

M u c h i k a    A l w a r a d o

Und ich habe eine kleine Eselsbrücke: 

Musik = m u s i c a = j statt s = M u j i c a

Bodenständig. Positiv. Offen.

Aus Liebe zu Rotenburg. Aus Liebe zum Wir. 

Vom Klassenzimmer ins Rathaus: 
Zuhören und Harmonie schaffen

Ich bin Astrid Mujica Alvarado und viele von Ihnen kennen mich als Ihre Musiklehrerin. Seit vielen Jahren stehe ich vor meinen Schülerinnen und Schülern und weiß: Geduld, Zuhören und das Zusammenbringen unterschiedlicher Stimmen sind die Basis für ein gelungenes Miteinander. Genau diese Qualitäten möchte ich als Ihre nächste Bürgermeisterin in unser Rathaus bringen.

 

Als Lehrerin geht es mir darum, Talente zu erkennen und zu fördern – unabhängig von der Herkunft. Als Bürgermeisterin will ich Chancen für alle schaffen. Denn unsere Gemeinde ist wie ein Orchester: Jede Bürgerin und jeder Bürger ist wichtig, und nur wenn wir harmonisch zusammenarbeiten, entfalten wir unser volles Potenzial.

 

In Xanten am Niederrhein aufgewachsen ist Rotenburg - nach Lübeck, Hamburg, München und Bremen – nun schon fast 20 Jahre mein Zuhause – der Ort, an dem ich mit meinem Mann und meinen zwei Töchtern lebe und arbeite. In dieser Zeit hat sich mir gezeigt, wie besonders unsere Stadt an der Wümme ist: von Menschen lebt, die Verantwortung übernehmen, anpacken und sich füreinander einsetzen, umgeben von unberührter Natur, die es zu schützen gilt, und immer mehr von zwei großen Metropolregionen Bremen und Hamburg tangiert.

 

Ich stehe für eine Politik, die zuhört, die erklärt, die verbindet – und die Rotenburg mit Herz und Verstand weiterentwickelt.

 

Ich möchte Bürgermeisterin werden,

weil ich überzeugt bin: Unsere Stadt verdient eine klare, verlässliche und menschliche Führung.

Eine, die Probleme nicht schönredet – aber Lösungen sucht.

Eine, die nicht spaltet – sondern Gemeinschaft stärkt.

Eine, die Zukunft gestaltet – mit Augenmaß und Inspiration.

 

Ich bin keine Berufspolitikerin, sondern eine von Ihnen. Ich lebe und arbeite hier, kenne die Sorgen am Frühstückstisch und die Erfolge auf dem Marktplatz. Deshalb kandidiere ich.

 

Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Rotenburg eine Stadt bleibt, in der man gern lebt, arbeitet, groß wird und alt werden kann - aus Liebe zum Wir.

 

Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!

 

Ihre Astrid Mujica Alvarado

 

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Lassen SIe uns 
gemeinsam an unseren Zielen arbeiten

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